Amarie denkt ...

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Eichhörnchennahrung, mühsam

Zum Teil angekommen, zum Teil noch unterwegs, zum Teil noch in der alten Stadt. Das ist der Zustand, wie er sich am besten beschreiben liesse im Moment. Klingt blöd, ist aber genau so, und das liegt halt daran, weil Leben das ist, was passiert, während man dabei ist, andere Pläne zu machen. Oder weil man sich einfach zeitlich verkalkuliert. Und Sachen dazwischen kommen, umgeplant werden müssen. Oder sich ändern. Pläne. Vorhaben. Arbeit. Projekte. Zielsetzungen. All das.

Ich pendele noch immer zwischen hier und dort, verbringe Zeiträume auf der Autbahn und gefühlte Äonen von Zeiteinheiten damit, auf die Lieferungen von Möbelhäusern zu warten. Und wenn ich dann Pakete aufreisse, um die kleinen Teile selbst zusammen zu bauen, wundere ich mich, weil ich nicht begreifen kann, wieso man zu einem kleinen Schrank in Kirschholz eine Tür packt, die mahagonifarben ist. Ist übrigens nicht bei IKEA passiert. Lieferzeiten von Möbelstücken verlängern sich, oder verkürzen sich, und immer muss jemand vor Ort sein. Jemand, also ich. Jemand, der seine Termine koordinieren muss. Jemand, also ich.

Mühsam ernährt es sich, dieses kleine Eichhörnchen, das sich neues Zuhause nennt. Zur Zeit sind noch in fast allen Zimmer Baulampen, aber die haben dafür 100 Watt-Birnen, und über mangelnde Ausleuchtung kann ich mich nicht beklagen. Hell ist es. Ein Kühlschrank ist auch schon da. Sogar eine Waschmaschine. Und hey, ich habe einen Gasherd, das ist eine wahre Freude. Ich habe es immer schon geliebt, auf Gas zu kochen.

Doch genau das sind die Momente... Die Momente, in denen ich eine Deiner Werkzeugkisten öffne, ein Stück Werkzeug herausnehme, dass Du noch mit Deinem "Mädchennamen" versehen hast. Die Momente, in denen ich mit dem Akkuschrauber mitten in einem der Zimmer stehe und denke, dass der letzte Umzug derjenige war, bei welchem Du und ich unser Hab und Gut zusammengeschmissen haben. Und bei welchem Du derjenige warst, der mühselig Möbel zusammengebaut hat. Regale an Wänden angebracht hat. Netzwerkkabel gezogen, Strippen verlegt und Lampen angebaut hat. Du hast mir vieles beigebracht. Ich kann all das alleine tun jetzt. Ich brauche keine Hilfe. Ich bin unabhängig, nicht allein durch Deine reichhaltige Werkzeugsammlung. Aber Trauer ist auch, wenn ich beim Regaleschrauben darüber nachdenke, wie Du fluchend darüber gehockt hast. Und dass Du nie wieder ein Regal zusammenbaust. Es sei denn, da oben, in Wolkenhausen, braucht man Regale.

Die vielen Wege, die ich vom Auto in meine Wohnung mache, mit Kisten unterm Arm, die wir damals gemeinsam gemacht haben... All das birgt Erinnerungen mit sich, die ich nur schwer aushalte. Aber ich weiss, dass ich sie aushalten muss. Und es ist wichtig, dass ich sie aushalte, weil sie sich dadurch verändern, sie mich befreien und ich ein Teil von ihnen bin, wie Du es auch bist.

Eigentlich kann ich an dieser Stelle auch zugeben, dass ich schlecht im Abschiednehmen bin. Im Trennen. Vielleicht auch im Loslassen. Aber vielleicht ist es auch gar nicht so schlecht. Wer darin Erfahrung hat, routiniert ist, der hat das vielleicht ein bisschen zu oft hinter sich gebracht. Oder vielleicht positiviere ich diese Aussage - ich schliesse dafür dann gründlich ab - und zu. Noch anders ausgedrückt... ich muckele mich weiter durch und habe glücklicherweise durch eine lange Kündigungsfrist der alten Wohnung die Zeit dazu. Es gibt Momente des grossen Glücks, wenn ich in der neuen Wohnung, in der neuen Stadt bin, und es ist Abend. Dann stehe ich manchmal in dem Wohnzimmer "to be" und ausser einer oder zwei Kerzen ist es dunkel. Und jede grosse Stadt hat dieses besondere Leuchten. Jede grosse Stadt hat dieses eigene Pulsieren, dass man überall hören kann. Und dann geniesse ich das für ein paar Minuten. Für ein paar Augenblicke. Ich weiss dann, dass Du bei mir bist. Und dass Du lächelst und meine Schritte und Wege auch an diesem Tag begleitet hast. Die Trauer und der Schmerz darüber, Dich nicht mehr richtig und wirklich bei mir zu haben, der kommt so verlässlich, wie auf jede Nacht ein neuer Tag folgt.

In meinem dritten Witwenjahr weiss ich, dass sich Schmerz und Trauer nur verändern, aber beide vergehen nicht. Vielleicht ist das gut so... Ja. Es ist gut so.

Amarie denkt ... 15.02.2011, 21.37

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von Martha

((((Amarie))))) ganz sanft, bisous, Martha

vom 18.02.2011, 22.01
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